07.10.2002

Shah steht pünktlich um neun Uhr mit dem Wagen vor dem Hotel. Nun heißt es: auschecken, Gepäck ins Auto und ab auf die Piste mit Ziel Selangor!
 

Gott sei dank sind wir schnell aus der Stadt raus. Sollten die grauen Wolken am Himmel Regen verheißen? Doch glücklicherweise haben wir nur wenige Tropfen abbekommen und so wird der Tag schön und sonnig.
 

Unserer erster Stopp auf der Fahrt entlang des Highways Nr.1 sind nach 13 km die Batu Caves. Bei tropischen Temperaturen absolvieren wir die 250 Stufen hinauf zu dem Hinduschrein als unser Morgen-Jogging.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde hier ein Tempel zu Ehren Shivas errichtet, der alljährlich mehr als 100.000 Gläubige zum Thaipusam-Fest anzieht. Das ganze Jahr über kommen die Menschen hierher in dieses beeindruckende Massiv aus Kalkfelsen .....

 

 

..... allerdings immer mit einem Auge in Richtung der Affenhorden, die in der Höhle ihr Zuhause gefunden haben. Vorsicht ist geboten vor diesen teilweise aggressiven Tieren. Sie scheinen zu wissen, welchen Schutz sie in dem hinduistischen Heiligtum genießen.


Die Landschaft ist geprägt von einer Reihe Kalkfelsen, die so manchen Kletterer mit Seil und Haken anziehen.

Einen weiteren Katzensprung entfernt, erreicht man die neue Hauptstadt von Selangor: Shah Alam. Rund 200.000 Menschen hat es – teilweise – von KL hierher gezogen. Shah Alam ist so etwas wie eine Wohnstadt (KL ist eben die hektischere Arbeitsmetropole).

Überragendes Bauwerk der Stadt ist unumstritten die gerade mal 25 Jahre alte Staatsmoschee Masjid Sultan Salaheddin Abdul Aziz Shah. 160 Mio RM = rd. 40 Mio. Euro hat der Bau dem Sultan von Selangor gekostet. Es ist ein moderner Prachtbau entstanden, dem traditionelle Stilelemente einen besonderen Reiz geben.

 



Nichtmoslems können leider das Innere des Gebetsraumes nicht betreten. Doch der nette Wärter am Tor hat ein wenig Einsehen mit uns, so dass wir doch ein paar Schritte hinein und schauen dürfen (Klar, dass auch die Kamera klickt!).
 



Bald ist auch unser Tagesziel erreicht: der kleine Ort Kuala Selangor und der Kuala Selangor Nature Park. In diesem Mangrovenwald haben die engagierten Tierschützer ein weit verzweigtes Netz von verschlungenen Wegen und Beobachtungsplätzen für Vogelliebhaber geschaffen.

 


Zugvögel machen hier Rast auf ihrem Flug in den Süden. Viele Reiher und Störche prägen dann das Bild.

Auch im Wasser tummeln sich Schlammspringer und diese Echsen.

Affen hangeln sich durch die Bäume von Ast zu Ast. Das Seeklima lässt die Wanderer in diesem Park nicht allzu sehr ins Schwitzen kommen.



 

Ach ja! Es gibt da etwas, was diese Mangroventour für uns zum „prickelnden“ Erlebnis werden ließ!  Wobei das Prickeln mehr einem Pieksen oder Beißen nahe kommt. Und das war so:

Wir waren schon auf dem Rückweg zum Visitor Center, als uns Dreien (Hubert, mir und dem Ranger) ein Hornissennest den Weg durch das Dickicht versperrte. Ohne Vorwarnung griffen sie an, diese gut 4 cm langen, schwarz/roten Fluginsekten. „Go!“, hörte ich den Ranger rufen und lief los. Allerdings nicht zurück, sondern nach vorne. Dumm!!! Denn nun war ich der Angriffspunkt der Hornissen. Fünf schmerzende Stellen an Arm und Beinen habe ich davon getragen. Stellen, die sofort anfingen zu brennen.

 



Der Empfehlung der Ranger folgend fuhren wir in die kleine Poliklinik von Kuala Selangor. Der dortige Arzt bemühte sich außerordentlich um mich. Fragte mach asthmatischen Beschwerden, Blutdruckproblemen, Medikamenteneinnahme usw. usw. Nach der Untersuchung hielt er dann eine Spritze zur Vorsorge, Antibiotika und Schmerztabletten für die richtige Therapie. Mir war eigentlich alles egal. Hauptsache Hilfe gegen die brennenden Hornissenattacken, die nun auch noch dazu leicht anschwollen. Ich bekam noch eine Tinktur zum Einreiben und den Rat, die Stellen gut zu kühlen.

Egal, was man vor der Reise von vielen Daheimgebliebenen mit auf dem Weg bekommt über die “bestimmt nicht gute medizinische Versorgung“, ich war froh über die schnelle Hilfe des freundlichen Arztes. Er wusste sofort, was ich brauchte, denn eine andere Gruppe von Wanderern hat tags zuvor auch Bekanntschaft mit diesem Nest gemacht und zwei Trekker mussten mit allergischen Reaktionen schnellstens in ein größeres Krankenhaus.  

Einiger Tage bedurfte es schon, bis die Hornissenprobleme bei mir abgeklungen waren. Doch dies – und das sei an dieser Stellen schon mal vorweg genommen – waren die einzigen Probleme dieser Art auf unserer Reise.

Als wir nach dem Arztbesuch zurück in unser Hotel - das De Palma Inn Kuala Selangor - kamen, war man schon auf mich und "meine Hornissen" eingestellt. Viel Eis erwartete mich in unserem Bungalow. Die Vögel, die hier in diesem leuchtenden Busch saßen, lenkten mich dann doch von den Schmerzen ab.
 


Doch nun zu dem Spektakel, weshalb wir eigentlich nach Selangor gekommen sind: Glühwürmchen = Fire Flies! Tausende dieser blinkenden Käfer versammeln sich bei Dunkelheit auf den Mangrovenbäumen. Mit dem Ruderboot gleitet man dann fast lautlos an den Phausis spendidulas vorbei. Glühwürmchenkenner wissen, dass die männlichen Vertreter dieser Art jeweils im Dreierrhythmus blinkend der Damenwelt nachstellen. Die wiederum in entsprechendem Einzelblinken antworten.

 

 

 

Uns ist das egal, ob da etwas einmal oder dreimal hintereinander blinkt. Wir finden es nur schön.
Ab und zu lauschen wir, ob wir da nicht im Hintergrund das Glühwürmchen-Lied aus
Paul Linckes Operette Lysistrata hören ??????


Anmerkung:

Wir haben zwar eine "gute" Kamera, aber so mitten in der Nacht will auch mit ihr nicht jedes Bild glücken. Deshalb muss eins reichen. Dafür gibt es aber noch eine total kitschige Postkarte am Ende dieses Berichtes .....


08.10.2002
Die Westküste liegt hinter uns und die Berge rufen.
In den Cameron Highlands ist wandern angesagt -->