17.10.02

Jihej holt uns gleich nach dem Frühstück ab. Unser Gepäck für einige Tage im Langhaus ist schnell zusammen gesucht und im Van verstaut. Es liegen nun 6 Stunden Fahrt vor uns ins Landesinnere hinein. 280 km also bis zum Batang Ai Stausee in der Nähe von Lubok Anto. Von dort geht es mit dem Boot weiter.

Auf der Fahrt wird deutlich, dass Sarawak landwirtschaftlich genutzt wird. Das Land ist größter Pfefferlieferant in Malaysia. Überall an den Straßen erstrecken sich die an Holzpfählen empor wachsenden Pfefferbüsche. Nur unterbrochen von Reisfeldern und Bananenstauden. Bei der Ernte noch weich und grün, verfärben sich die Pfefferkörner nach dem Trocken in harte schwarze und weiße Körner.
 

Einen Zwischenstopp legen wir in Serian ein. Ein kleiner Ort mit einem großen Bauernmarkt, auf dem alles angeboten und verkauft wird, was die local peoples auf ihren Feldern anbauen. Gemüsesorten, von deren Namen wir noch nie etwas gehört oder gesehen haben. Überall in Malaysia hat unsere Kamera Bild für Bild auf diesen bunten Märkten eingefangen. Wie wäre es mit einem Marktbesuch?

Auf geht's in die Markthallen von Serian!






Flußufer des Batang Ai Rivers und Landungssteg:

Es ist 14:15 Uhr, und wir werden von einem flachen Holz-Langboot mit Außenboard-Motor erwartet. Jihej, Hubert und ich haben jetzt eine 1-Stunden-Fahrt auf dem Batang Ai River vor uns. Der Bootsführer und sein vorne sitzenden Helfer manövrieren gekonnt zwischen den Untiefen des Wassers hindurch.

 

Seit einigen Jahren befindet sich am Landungssteg eine Staumauer. Ein Kraftwerk erzeugt Strom für die umliegenden Dörfer und Städte. Langsam und unaufhörlich schiebt sich die Zivilisation in die Tiefen des Dschungels vor.



Ebenso wie das Kraftwerk, hat sich auch etwas – für uns – Unverständliches am Ufer breit gemacht: ein Fünf-Sterne-Ressort. Mit allem nur erdenklichen Luxus wurde hier eine Unterkunft für Touristen geschaffen, die einige Tage Dschungel erleben wollen. Das Ressort rühmt sich, im Stil der Iban-Langhäuser errichtet zu sein. Wir können nicht verstehen, dass Besucher auf diese Weise das Leben der Ibans kennen lernen können. Aber die Tatsache, dass es immer wieder Touristen gibt, die diese Herberge ansteuern lässt erkennen, dass die Reisebranche solche Ressorts braucht ....

Wir aber steuern einem außergewöhnlichen Abenteuer entgegen: einigen Tagen – sowie auch Nächten – in dem Langhaus von Sepaya.  Doch bevor wir am kleinen, wackeligen Steg anlegen können, müssen wir erst noch eine geballte Ladung ineinander verschlungener Baumstämme passieren. Seit der Errichtung des Stauwerks bilden sich immer wieder solche Ansammlungen von Hindernissen.



 

Schon am Ufer werden wir lachend von den Kindern der Ibans begrüßt. Schnell ist das Gepäck ausgeladen und zum Longhouse hinauf getragen. Natürlich haben wir auch Lebensmittel, Bettwäsche und Handtücher mitgebracht.

Und auch einiges an Süßigkeiten. Dieser junge Mann möchte sofort zu uns kommen, doch Mama sorgt erst einmal für die richtige Kleidung.


Es ist gut, dass Jihej bei uns ist. Wie sonst sollten wir uns mit den Iban verständigen? Nur einige sprechen wenige Worte englisch. Und wir können nun mal ihre Sprache nicht. Doch das hat – und dies sei vorweg genommen – unsere Tage nicht negativ beeinflusst.
 
Das Langhaus ist 200 m lang und beiderseits des offenen – auf Stelzen gebauten – Innenbereiches erstrecken sich überdachte und teilweise durch dünne Wände getrennte Räume für die einzelnen Familien. Es leben hier 52 Familien zusammen.



 


Als wir ankommen, ist der überwiegende Teil der Menschen noch auf den Feldern, beim Fischen oder Jagen. Uns begrüßt deshalb die Tochter des Chiefs, in dessen Familie wir leben werden. Der Chief dieses Langhauses hat außer dieser verheirateten Tochter noch einen Sohn, der ebenfalls mit Frau und Kind im Langhaus wohnt.


Alles was wir mitgebracht haben, wird erst einmal verstaut. Dann gibt es Tee und zur Begrüßung Reiswein und Reiswhisky. Der Wein ist mit seinen ungefähr 10 % Alkohol etwas gewöhnungsbedürftig und ähnelt geschmacklich Apfelwein. Die Langhausfamilien stellen ihren eigenen Reiswein her: Reis wird gekocht, mit Zucker aufgefüllt und zusammen mit dem Wasser ca. acht Tage ruhen gelassen. Dann wird er abgegossen. Zu Whisky wird er nach nochmaligem Aufkochen, Abdestillieren und weiteren 14 Tagen Ruhezeit. Ohne genau die richtigen Prozente zu kennen, schmeckt das Gebräu sogar uns Gästen.
Zum Gären kommt der Reiswein in große Krüge.
 

Krüge, in denen alles aufbewahrt wird, was die Menschen in Langhaus zum Leben brauchen. So auch dieser Reis, der auf Strohmatten im Innen des Langhauses getrocknet wird.



Und auch das wird aufbewahrt: Es lässt sich nun mal nicht verleugnen, dass die Ibans früher Kopfjäger waren .....

Nur gut, dass die Ibans der heutigen Zeit da doch schon etwas netter mit Fremden (wie uns!) umgehen .....



Langsam wird es dunkel, und wir ziehen – bewaffnet mit Seife und Handtuch – runter zum Wasser. Wir gewöhnen uns dran, genau wie die Ibans, den River als unser Badezimmer zu akzeptieren. Hubert hat da weniger Berührungsängste als ich. Aber wenn man sauber werden will, muss man das Bad im Fluss schon nutzen .....

Apropos: nutzen!

Nicht alle Familie des Langhauses haben in ihrer sehr spärlich ausgefallenen Privatsphäre so etwas wie ein Stilles Örtchen.

Stellen Sie sich – liebe LeserInnen – das bitte so vor:
Der private Wohnbereich besteht aus einem Raum von ca. 5 x 5 Meter. Dahinter liegt der offen angrenzende Küchentrakt und – da es hier teilweise eine Wasserleitung gibt – die abgetrennte Toilette.



 

In der Zwischenzeit sind alle wieder von der Feldarbeit zurück. In den Küchen wird das Abendessen gekocht, und die übrigen Familienmitglieder sitzen im großen, überdachten Innenraum. Entweder sind sie mit handwerklichen Arbeiten beschäftigt oder reden nur miteinander.

Ich lasse es mir nicht nehmen, beim Kochen zuzuschauen. Als Zugeständnis an die Zivilisation gibt es in der Küche eine kleine Kochstelle, eine Gasflasche und einen gusseisernen Wok. Darin wird nach und nach das gesamte Abendessen gekocht und gebraten.

Der Duft steigt in die Nase, und als wir alle - die Familie des Chiefs, Jihej und wir - in der großen Küche auf dem Fußboden sitzen, langen wir ordentlich zu. Hubert und ich sind uns einig: selten fand ein Dinner in solch gediegener Atmosphäre statt und hat so hervorragend geschmeckt.

Ein heißer Tee zum Abschluss und frisches Obst haben das Essen zu einem Erlebnis werden lassen.

 


Nach und nach finden sich die Familien vor ihren Privaträumen auf dem gemeinsamen Innenbereich ein. Ein weiteres Zugeständnis an die

Zivilisation: ein Generator. Und das schürt bei Hubert und mir die Diskussion darüber, ob Tourismus, wenn auch ein sanfter, der richtige Weg ist zum gegenseitigen Kennen lernen. Auf der einen Seite bringen Gäste wie wir Geld in die Gemeinschaftskasse der Langhausbewohner, die sich davon die eine oder andere Annehmlichkeit leisten können. Auf der anderen Seite bringt die eindringende Zivilisation auch Probleme in Form von Müll und schlechten Umwelteinflüssen.

Doch wir haben nicht lange Zeit für derartige Überlegungen, denn der Abend in dieser Langhaus-Gemeinschaft ist sehr amüsant und unterhaltend. Schnell sind Musikinstrumente hervorgeholt, und Jihej erklärt uns die einzelnen Tänze, die, begleitet von den Musikern, von den Ibans vorgeführt werden.
 

         


An dieser Stelle auch ein Wort zu Jihej:

Er ist mit einer Ibanfrau verheiratet und beide wohnen - zusammen mit zwei kleinen Kindern - in Kuching. Jihej ist noch im Dschungel geboren, aber die Schule und spätere Ausbildung hat ihn zum Stadtmenschen werden lassen. Seine Frau ist in Kuching geboren und aufgewachsen. Und, obwohl beide mit ihren Kindern nur noch Bahasa Malaysia sprechen, hat Jihej die Sprache der Ibans nie verlernt. So ist er der Mittler zwischen uns. Ein netter Dolmetscher, der viel über die Ibans, den Dschungel und die Natur berichten kann. Auch wir müssen viel von unserem Zuhause, der Familie und dem Leben in Deutschland erzählen.
 

Es ist späte Nacht und die Temperaturen sind erträglicher geworden. Ganz allmählich wird es Zeit zum Schlafen. Aber wo? Es wird uns schlagartig klar: schnell sind Matratzen hingelegt und das Moskitonetz darüber gespannt. Kurzum: etwas gewöhnungsbedürftig, aber wir haben hervorragend geschlafen .....

18.10.02 und 19.10.02

Die Nacht ist schnell vorbei. Noch bevor die Sonne aufgegangen ist, kräht der Hahn, die Hunde bellen und die Menschen ziehen nach dem Frühstück wieder raus in die teilweise weit vom Langhaus entfernt liegenden Felder. 

Auch wir stehen auf. Kein warmes Wasser zum Zähneputzen, dafür Vogelgezwitscher auf dem Weg zum Flussufer .....

Danach finden wir uns wieder alle (die Familie des Chiefs, Jihej und wir zwei) beim gemeinsamen Frühstück auf dem Küchenfußboden ein. Die warmen Pfannkuchen mit Bananenfüllung sind ein Gedicht.

Trotz des einsetzenden (noch!) leichten Regens packen wir alles ein, was für ein Lunch á la Iban so nötig ist. Unten am Fluss werden die Dinge in das Langboot verstaut und ab geht es. Der Bruder des Chiefs ist ein erfahrener Bootsführer und lenkt den Kahn sicher durch die im Wasser treibenden Baumstämme hindurch. Ein kleiner Seitenarm ist erreicht und bald darauf eine seichte Stelle am Ufer.
 

Mit im Boot sitzt die Tochter des Bootsführers. Jihej erzählt uns von ihren hervorragenden Kochkünsten. Und so, meint er, werden wir eine nicht ganz alltägliche Kochvorführung miterleben.
 

Ein Klick auf das Bild genügt & eine Kochgeschichte
über ein Lunch á la Iban kann beginnen.

 

Nun, liebe LeserInnen! Haben Sie nach der Kochgeschichte Hunger bekommen? Dann nehmen Sie eine Tasse Tee (oder Kaffee), lehnen sich zurück und klicken den Kessel auf dem Feuer an.

Ein Klick auf das Bild genügt & eine Kochgeschichte
über ein Lunch á la Iban kann beginnen.


Die Tage bei den Ibans waren ein Erlebnis besonderer Art. Viele Gespräche - teilweise mit Unterstützung von Jihej, teilweise mit Händen und Füßen sowie einigen englischen Worten - haben uns das Leben hier im Dschungel näher gebracht. Zugegeben: die Zivilisation hat schon große Narben in den Regenwald gerissen. Doch viele Ibans haben uns versichert, dass sie lieber hier im Langhaus leben wollen als in den Dörfern oder hektischen Städten. Es gibt immer Gründe in die City zu fahren, aber noch mehr wieder zurück in das Langhaus zu kommen.

Wir haben diese Zeit genossen und Erkenntnisse erlangt, die wir sicher so schnell nicht vergessen werden. Die Warmherzigkeit dieser Menschen hat uns groß beeindruckt, und wir denken gern an die Tage im Langhaus zurück.

Resümee: wieder zurück im Hotel in Kuching, freuen wir uns über die warme Dusche und die Annehmlichkeiten der Zivilisation. Sollten wir schon so zivilisationsbedürftig sein ?!?!?


Sicher erinnern wir uns noch oft an das gemeinsame Essen rund um die bunten Schüsseln auf den Boden .....
 

20.10.2002
Sarawak hat viel zu bieten. So die Höhlen von Miri -->